· 

Von der Revolution zur Revolution

Die Zukunftsvisionen der Künstlichen Intelligenz hinter den Mauern des Hamburger Museums der Arbeit? Warum nicht? Schließlich ist das unter Denkmalschutz stehende Fabrikgebäude der „New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie“ von 1871 ein Teil europäischer Geschichte, ein Teil der industriellen Revolution. Wo einst technische Maschinen den Arbeitsalltag der Fabrikarbeiter prägten, diskutieren Menschen heute über den nächsten revolutionären Schritt – die Ausweitung der digitalen Arbeitswelt und die sich daraus weiterentwickelnde Künstliche Intelligenz (KI). In den Hallen des ehemaligen Fabrikgebäudes ist derzeit die Ausstellung „OUT OF OFFICE – Wenn Roboter und KI für uns arbeiten“ zu sehen. 

 

Roboter, eine neue Erscheinung?

Die Ausstellung regt dazu an, sich sachlich mit der KI auseinanderzusetzen. Ein absoluter Pluspunkt, während diverse Romane, Filme und – leider auch recht häufig – Nachrichten den Untergang der gesamten Menschheit einläuten. Dabei ist es nicht neu, dass Menschen von Robotern begleitet werden. Schon 1961 konstruierte die Firma Ford den ersten Roboter „Unimate“ – einen Greifarm, der Druckgussteile für Auto-Karosserien schweißte. 

Die Ausstellung zeigt ein Furby, erstmals 1998 erschienen, eindeutig als Roboter ausgewiesen. Ein Furby als Roboter? Das kleine maus-, katzen-, eulenartige Tier mit dem sanften Wesen als Grund für ein dystopisches Zukunftsszenario? Eher nicht. Obwohl darin schon eine kleine, schwache KI in Form von Sensorik, Spracherkennung und dem Erlernen von Wörtern versteckt war. Ein Furby passt sich seiner Lage im Raum an, erkennt Wörter, bemerkt Empfindungen und reagiert darauf mit Singen, Lachen oder eigenen Worten. Selbst denken kann er jedoch nicht.

Weit mehr als nur ein Spielzeug ist der Therapieroboter Paro – 60 Zentimeter lang in Gestalt einer weißen Baby-Robbe. Eingesetzt wird Paro seit 2013 unter anderem bei Demenzkranken. Studien zufolge verlangsamt sich die Erkrankung, wenn soziale Bereiche des Gehirns aktiviert werden. Dies passiert etwa, wenn sich Menschen um einen anderen Menschen oder ein Tier kümmern – oder eben um Paro. Die taktile Sensorik, die unter seinem Fell steckt, nimmt Streicheleinheiten wahr und reagiert dementsprechend mit der Bewegung des Schwanzes, des Kopfes oder der Augen. Paro reagiert auf Geräusche, kann Namen lernen und macht selbst Laute, die jenen einer jungen Sattelrobbe ähneln. 


Die Kunst der Künstlichen Intelligenz

Sollten Roboter ursprünglich nur bei Fertigungsprozessen im industriellen Arbeiten unterstützen, sorgten sie also schnell auch für interaktive Unterhaltung. In kreativen Arbeitsbereichen finden sie sich dagegen erst seit kurzem – aber mit großem Erfolg: Ob ein Bild von menschlicher Hand oder einem robotisierten Greifarm mit eingebauter Rechenmaschine gemalt ist, die mit Duktus, Farbigkeit und Stil gefüttert wird, ist kaum mehr zu unterscheiden. „OUT OF OFFICE“ zeigt verschiedene Gemälde, bei denen Besucher erraten sollen, wer oder was sie geschaffen hat. Könnte dies womöglich ein erstes Zeugnis sein, in der die Maschine den Menschen übertrifft und ihn zukünftig ablösen wird? Wohl kaum, denn sie braucht einen Schöpfer und Lehrer. Der Künstler bringt der KI seinen eigenen Malstil bei, lehrt sie Farben sowie andere Stile zu unterscheiden, befähigt sie, Bildkompositionen und Strukturen zu berechnen und wiederzugeben. Und dies in einem steten Lernprozess vom ersten Pinselstrich bis zum fertigen Kunstwerk. 

Ebenso sorgen Hörproben von der klassischen bis zur Techno-Musik für Überraschungen. Auch hier sollen Besucher erraten, ob Melodien von Menschen oder Maschine komponiert wurden. „Hello Shadow“von Skygge ist beispielsweise ein Lied, bei der der Sound von einem Menschen komponiert und der Songtext von einer KI geschrieben wurde. Der Gesang stammt von der Skygge-Sängerin selbst. 

In die Filmindustrie ist die KI ebenfalls längst eingestiegen: 2016 entwickelten der Filmemacher Oscar Sharp und KI-Experte Ross Goodwin von der New York University ein künstliches neuronales Netzwerk namens Benjamin. Es analysierte Hunderte Science-Fiction Drehbücher und Superheldenfilme, darunter auch Prometheus, Spider-Man oder Terminator. Handlungsessenzen und Gemeinsamkeiten zwischen den Filmen schrieb Benjamin in ein neues Drehbuch um, woraus der Kurzfilm „Sunspring“entstand. Dieser erste von einer KI geschriebene Sci-Fi Film wirkt wie eine Parodie – und schaffte es auf dem Filmfestival „Sci-Fi London“ in die Top Ten der Jurywertung. 

 

Industrie 4.0

Die Frage, ob KI, maschinelles Lernen oder neuronale Netze eines Tages wahre Kreativität erlangen können, beantwortet die Ausstellung nicht. Diskutiert wird von Experten aus Wirtschaft und Entwicklung, was bereits in aller Munde ist. „Neugier beibehalten, offen sein für eine digitale Zukunft, Widersprüche zulassen um weiterzukommen“, sagt beispielsweise Brand-eins-Vorstandsmitglied Thomas Pötzsch. Informatiker Alan Kay meinte schon in den 1940ern: „Der beste Weg die Zukunft vorherzusagen, ist sie mitzugestalten.“ Doch genau das tun die Experten in der Ausstellung nicht. Niemand wagt spekulierend den ersten Schritt in Richtung Zukunft oder bietet neues Diskussionsmaterial.

Stattdessen sind die Besucher selbst gefragt: Mit dem Ticket zur Ausstellung gibt es einen personalisierten Code, mit dem sie an einer Umfrage über ein beabsichtigt positives Zukunftsszenario teilnehmen sollen. Finde ich eine Robotersteuer angebracht? Bin ich für ein Siegel für roboterfreie Produkte? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Zu schwammig sind die gesellschaftlichen Entwicklungen, so gar nicht linear. Zum aktuellen Zeitpunkt können wir unmöglich sagen, inwieweit Roboter tatsächlich in unseren Alltag eingreifen, wie viel unserer Arbeit sie uns abnehmen werden oder welche neuen Arbeitsbereiche sich erschließen. Klar ist lediglich: Algorithmen grundlegend zu verstehen hilft dabei, die Zukunft zu gestalten und daran mitzuwirken. Denn die Industrie 4.0 prägt nicht nur die Arbeitswelt, sondern hebt auch den Menschen auf eine neue Stufe – als Schöpfer und Lehrer der KI. 

Macht euch eure eigenen Ideen über eine intelligente maschinell geprägte Zukunft. OUT OF OFFICEist noch bis zum 19. Mai im Museum der Arbeit zu sehen. 

 

Text: Nina Pressentin

Bild: Banksy in New York, Coney Island, picture alliance / SHMHH

Vernetzen Sie sich via Facebook mit uns! Wir freuen uns über den konstruktiven Austausch mit Ihnen.

Eine außergewöhnliche Initiative von JDB MEDIA und ihren Mitarbeitern.

JDB MEDIA – Die Zukunftsversteher
Wir möchten mit dieser Website deutlich machen, wie wir als eine der führenden Hamburger Agenturen und mit unserer Vision eines Kommunikationshauses mit Deutschlands stärkster Wirtschaftscommunity ticken und arbeiten. Wir möchten zeigen, welche außergewöhnlichen Wege wir gehen, um ausgetretene Kommunikationspfade zu verlassen. Wir möchten heute an dem Ort sein, den unsere Kunden morgen als Realität bezeichnen. Wir wollen die Zukunft verstehen, um Sie sicher in diese Zukunft begleiten zu können.