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Best Practice: Künstliche Intelligenz im Mittelstand

Infraserv Logistics, ein Chemie-Logistik-Unternehmen aus Frankfurt am Main, setzt auf Künstliche Intelligenz bei der Prozessoptimierung. Deutschlands Mittelstand ist digitaler als sein Ruf.

Industriepark Höchst in Frankfurt am Main (Foto: Infraserv Höchst)
Industriepark Höchst in Frankfurt am Main (Foto: Infraserv Höchst)

Das Kabinett hat gestern Eckpunkte für eine Strategie zum Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) beschlossen. Damit will die Bundesregierung Erforschung, Entwicklung und Anwendung von KI in Deutschland auf ein, „weltweit führendes Niveau bringen“, heißt es in der offiziellen Verlautbarung. Anwendungen von Künstlicher Intelligenz sollen, „nicht irgendwo auf der Welt entwickelt und umgesetzt werden, sondern hier bei uns in Deutschland und Europa“, so Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

 

Doch bei aller berechtigten Sorge um die technologische Zukunftsfähigkeit der größtenteils mittelständisch geprägten deutschen Wirtschaft – es gibt auch Mittelständler, die ihre Hausaufgaben bereits gemacht haben. Infraserv Logistics etwa, ein Chemie-Logistik-Unternehmen im Industriepark Höchst bei Frankfurt am Main. Bereits seit einigen Jahren steuert ein intelligentes System einen Großteil der logistischen Prozesse der 500 Mitarbeiter starken Firma. Entwickelt haben die dafür notwendige KI nicht etwa Amerikaner oder Asiaten sondern der Softwareentwickler INFORM aus Aachen.

Thomas Schmidt, Geschäftsführer Infraserv Logistics
Thomas Schmidt, Geschäftsführer Infraserv Logistics (Foto: Infraserv Logistics)

Dreh- und Angelpunkt der Chemiebranche

 

Mit 120 Produktionsanlagen, mehr als 800 Laborgebäuden und 22.000 Mitarbeitern zählt der Industriepark Höchst zu den größten Produktions- und Forschungsstandorten der Chemiebranche in Europa. Neben Produktionsunternehmen aus den Bereichen Chemie, Pharma- und Biotechnologie, Pflanzenschutz sowie Lebensmittelzusatzstoffe sind auch unterstützende Dienstleister wie Labore, Forschungseinrichtungen und Ausbildungsstätten auf dem Gelände angesiedelt. Infraserv Logistics kümmert sich um die gesamte Logistik der Anlage im Westen Frankfurts. Und die Infrastruktur des Industrieparks kann sich sehen lassen: Neben rund 100 Lkw und Aufliegern gibt es eine Werkbahn, die Unternehmen im Park und Umland beliefert, eine Pipelineanbindung und sogar einen Binnenhafen.

 

Intelligente Optimierung in der Logistik

 

Die Lkw-Logistik des Industrieparks steuert Infraserv größtenteils mit einer intelligenten Lösung von INFORM. Sobald die Trucks das Gelände erreichen, müssen sie sich über ein Online-Portal im Infraserv-Logistik-System registrieren. Nur wer dies tut, erhält beispielsweise Zugang zum Hochregallager. So vermeidet das Logistikunternehmen, dass Fahrten nicht erfasst werden. Auch die Abfertigung der Lkw an den Ladestellen läuft inzwischen über das Programm. Mittels intelligenter Entscheidungsalgorithmen erhalten die einfahrenden Spediteure passende Auskünfte und Zeitfenster. Dabei koordiniert das System die Lastwagen miteinander und verteilt die An- und Abfahrten möglichst gleichmäßig über den Tag.

 

So vermeidet Infraserv Staus auf dem Gelände, unvorhersehbare Ereignisse können besser gemanagt werden: „Stellen Sie sich vor, wir hätten sechs oder sieben Lkws in der Warteschlange,“ erklärt Geschäftsführer Thomas Schmidt. „Die Fahrer hätten unnötige Standzeiten, würden die Fahrzeuge verlassen und wären eventuell nicht zur Stelle, wenn sie wieder an der Reihe sind. Der gesamte Abwicklungsprozess würde sich dadurch verzögern.“

 

Deutscher Mittelstand digitaler als gedacht

 

Künstliche Intelligenz so scheint es, ist im Mittelstand verbreiteter als angenommen. Neben den Logistikern von Infraserv verwenden auch das Umschlagterminal für Straße und Schiene KTL Kombi in Ludwigshafen, das HHLA Container Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen, der Flughafen Stuttgart, der Aachener Naurkosmetikhersteller BABOR, der schwäbische Maschinenhersteller Voith und der badische Werkzeugsystemhersteller BENZ KI zur Prozessoptimierung. Detailliert nachzulesen ist das alles im neuen Buch „Agile Optimierung in Unternehmen. Das Unplanbare digital managen“ von Adrian Weiler, Eva Savelsberg und Ulrich Dorndorf (Haufe-Verlag). Vielleicht ist Deutschlands Mittelstand ja bereits wesentlich digitaler aufgestellt, als das die Politik in Berlin annimmt. 

 

Autor: Johannes Kaufmann

 

 

Panel-Diskussion

Im Juni luden Vertreter des deutschen Mittelstandes zur Diskussion in der Hamburger Elbphilarmonie.  Thema der Runde: Wie können deutsche Unternehmen mit Künstlicher Intelligenz erfolgreich Prozesse optimieren?

Teilnehmer: v.l. der Moderator; Adrian Weiler, CEO INFORM; Thomas Schmidt, Geschäftsführer Infraserv Logistics; Horst Robertz, Geschäftsführer BABOR Cosmetics; später kam  Management-Philosoph Reinhard Sprenger hinzu.

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