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Shibuya – Sinnbild der japanischen Kultur

Riesige Bildschirme, bunte Werbeplakate und Massen an Menschen: Willkommen in Shibuya! Kaum ein anderes Viertel in Tokio sagt mehr über die japanische Kultur aus – wenn meist auch erst auf den zweiten Blick.

 

Der treue Arbeitnehmer

Zum einen wäre da die Hachiko-Statue. Sie zeigt den gleichnamigen Akita-Hund. Der Legende nach begleitete er in den 1920er-Jahren sein Herrchen, Professor Hidesaburo Ueno, jeden Morgen zum Bahnhof von Shibuya. Und abends empfing er ihn auch pünktlich wieder. Die beiden hatten eine ganz besondere Beziehung: Der kinderlose Akademiker verbrachte den größten Teil seiner Freizeit mit dem Hund. Er fütterte, spielte und sprach sogar ausgiebig mit ihm. Doch 1925 erlitt der Professor plötzlich eine Hirnblutung bei der Arbeit. Nichts ahnend setzte Hachiko seine Routine für weitere neun Jahre – bis zu seinem Tod – fort. Seine Statue symbolisiert heute ewige Treue.

 

Treu ist auch der japanische Arbeitnehmer. Häufige Jobwechsel sind noch unbeliebter als in Deutschland. Wer seinen ersten Job antritt, lernt dort alles, was er braucht. Vorkenntnisse werden nicht erwartet. Dafür aber jede Menge Fleiß. Denn Japaner sind echte Arbeitstiere. Im Durchschnitt arbeiten sie jährlich 350 Stunden mehr als die Deutschen. Ihre zwölf Tage Urlaub pro Jahr schöpfen sie in der Regel nicht aus. Normal ist es zudem, das Büro nicht vor dem Chef zu verlassen – es sei denn, eine explizite „closing time“ erlaubt es. Das erklärt auch, warum Japan als einziges Land der Welt Überarbeitung als Todesursache kennt: Karōshi.

 

Regeln, Regeln, Regeln

Zum anderen wäre da die Shibuya Crossing, die wohl bekannteste Kreuzung in Tokio. Die Ampeln schalten gleichzeitig auf Grün. Das heißt: Alle Menschen laufen zur gleichen Zeit in alle Richtungen. Von oben betrachtet sieht das nach Chaos pur aus. Wer sich aber selbst in diesem riesigen Ameisenhaufen wiederfindet – bis zu 15.000 Menschen überqueren die Kreuzung gleichzeitig – merkt schnell: Hinter dem Chaos steckt ein System.

 

Überspitzt könnte man sagen: Die japanische Kultur kennt beinah so viele Regeln wie es Japaner gibt. Faszinierend ist, dass sich auch wirklich alle akribisch daran halten. Niemand geht bei Rot über die Straße oder verlässt vorzeitig das Büro. In Tokio gibt es nicht einmal Mülleimer an der Straße – weil alle ihren Müll mit nach Hause nehmen und ordnungsgemäß entsorgen.

 

Das aber führt auch dazu, dass Japaner eher unflexibel sind. Meist kennen sie nur ihre Gesellschaft und Konventionen. Das ist nicht immer leicht zu verstehen. Ein Beispiel: Auf dem Flug nach Tokio sitzen die meisten unserer Kollegen nebeneinander. Eine Kollegin aber sitzt eine Reihe weiter vorne. Also fragen die Kollegen in der hinteren Reihe ihren japanischen Sitznachbarn, ob er freundlicherweise den Platz tauschen würde. Seine Antwort: „Vielleicht später, wenn das Flugzeug gestartet ist oder es sich ergibt.“ Hinter dieser abstrakten Antwort steckt eigentlich ein klares Nein. Warum? Weil er diesen Sitzplatz gebucht hat. Und zwar genau diesen. Tauschen? Ist keine Option.

 

Mensch zum Mieten

Wer sich die Neon-Signs in Shibuya (aber auch in anderen Vierteln der Stadt) genauer anschaut, erblickt schnell die dem japanischen Schönheitsideal entsprechenden Gesichter. Anders als in Deutschland ist das aber nicht Werbung für Kosmetik oder Kleidung. Es geht um die Menschen selbst. Die auf den Plakaten freundlich schauenden Männer und Frauen wollen gemietet werden.

 

Japaner sind oft einsam. Zwar ist Tokio laut United Nations Department of Economic and Social Affairs die größte Stadt der Welt. Dennoch zeigt etwa eine Umfrage des Nationalen Instituts für Bevölkerungsforschung, dass jeder zweite Japaner Single ist. 60 Prozent der Frauen zwischen 18 und 34 haben keinen Partner; bei Männer sind es fast 70 Prozent. In Anbetracht der hohen Arbeitsmoral ist das nicht verwunderlich. Wer sich in der Stadt umguckt, fühlt sich darin bestätigt: Die Restaurants sind voll von einsamen Menschen, die ins Leere oder auf ihr Smartphone starren. Kein Wunder also, dass es in Japan makabererweise auch eine Bezeichnung für das einsame Sterben gibt: Kodukushi.

 

Doch bevor es soweit kommt, mietet man sich einfach einen Freund. Das ist allerdings nichts Sexuelles – Prostitution ist in Japan verboten. Es geht vielmehr darum, emotionale Nähe zu spüren und zum Beispiel endlich mal nicht alleine essen zu gehen. Komplimente sind natürlich inbegriffen. Wem das nicht genügt, der kann mit seinem Ein-Tages-Freund in ein Love-Hotel gehen. Dort schlafen beide dann einfach entspannt nebeneinander. Das höchste der Gefühle ist hierbei ein leichtes Streicheln des Unterarms. Oder das Reinigen der Ohren mit einem Q-Tip.

 

Text: Miriam Rönnau

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