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Wie smart soll es sein?

Bildcredits: Getty Images/Aleksei_Derin
Bildcredits: Getty Images/Aleksei_Derin

 

Alexa, Siri, Cortana und Co. – Experten prognostizieren für smarte Lautsprecher eine glorreiche Zukunft. Schon jetzt hat laut einer Studie von Deloitte jeder achte deutsche Haushalt einen smarten Lautsprecher. Dabei ist die Gegenwart der Künstlichen Intelligenz (KI) aus der Kiste doch meist eher ernüchternd und erweckt mehr den Eindruck nach einer Art Radio 2.0 mit Kinderkrankheiten.

 

Wie genau, das zeigt etwa Jan Böhmermann in seiner jüngsten Weihnachtsgeschichte: Ein junges Paar feiert das besinnliche Fest zum ersten Mal gemeinsam, doch er verbringt den größten Teil seiner Zeit damit, Alexa zum Laufen zu bringen. Es folgen viele vergebliche Versuche, bis sich Alexa endlich mit dem Netz verbindet. Und dann wirkt sie meist auch eher unkontrolliert – oder hört nur auf die Stimme von Böhmermanns besserer Hälfte. Etwas überzogen wird klar: Es hapert oft noch an einer reibungslosen Kommunikation. Die Fehlerquote von missverständlichen Musiktiteln oder Namen liegt bei rund 25 Prozent – also scheitert jeder vierte Versuch. Da die smarten Lautsprecher als Schnittstelle zum Smart Home dienen sollen, kann das schnell problematisch werden. 

 

Die Zukunft hingegen wirkt vielversprechender. Wohin die Reise geht, zeigt etwa das Demo „Wonder Life-Box“,aus dem Panasonic Center in Tokio. Zu sehen gibt es dort Technologien, die gerade entwickelt werden und dem Elektrokonzern zufolge „unser Leben bis 2030 besser machen sollen“. Dazu gehören: perfektes Tageslicht zum Aufwachen, Schmink- und Kleidungstipps via schlauem Spiegel und natürlich die digitale Küche mit smartem Lautsprecher in Sonnen-Optik, der nach Aufforderung heißes Wasser kocht und mit originellen Rezepten brilliert. 

 

Die smarte Sonne erinnert dabei etwas an die Teletubbys, die niemals Schlafen gehen ohne sich von ihren leuchtenden, gelben Begleitern mit einem breiten Grinsen zu verabschieden. Das erweckt schon schaurige Vorstellungen darüber, wie wir zukünftig von einer smarten Sonne durch den Alltag geleitet werden, die uns vorgibt, wie wir uns zu kleiden, zu schminken, zu sprechen etc. haben. Fakt ist: Technologien, die dem Menschen dienen, haben sich in der Vergangenheit immer durchgesetzt. Vor allem, wenn sie kompakt sind – und kaum etwas ist so reizvoll wie die Vernetzung unseres Alltags. 

 

Umso wichtiger ist also ein reflektierter Umgang mit eben diesen Geräten. Warum? Auf der einen Seite natürlich wegen den zahlreichen Argumenten, die uns täglich vor Augen geführt werden. Wissen wir, was mit den Daten passiert, die in die Hände der riesigen amerikanischen Konzerne landen? Wie viel Privatsphäre gibt es tatsächlich und wie viel brauchen wir? Auf der anderen Seite kann uns das Reflektieren auch unserer selbst wegen helfen. Wann genau hat es eigentlich angefangen, dass wir uns mit Maschinen unterhalten wollen? Die Antwort dazu lautet: ausgerechnet bei einem Therapeuten.

 

Macht versus Ohnmacht

 

„Warum sind Sie heute hier?“, fragt Dr. X.

„Weil meine Frau mich betrügt“, antwortet der Patient.

„Mit wem sollte sie ihre Frau betrügen?“, erwidert Dr. X.

„Ich denke mit meinem Nachbarn“, antwortet der Patient.

„Warum denken Sie, dass ihre Frau sie mit ihrem Nachbarn betrügt?“, erwidert Dr. X. 

 

Dieser Dialog lässt sich ewig fortsetzen. Mitte der 1960er-Jahre war er der knallharte Beweis dafür, dass Kommunikation mit einer Maschine funktioniert. Zwischen den Jahren 1964 und 1966 entwickelte einer der großen KI-Pioniere, Josef Weizenbaum, sein Computerprogramm ELIZA. Dabei handelt es sich um ein Sprach-Analyse-Programm, das in englischer Sprache eine „Unterhaltung“ führt. Der Proband tippt dafür etwas auf eine Schreibmaschine, die mit dem Computer verbunden ist. Dann wartet er, bis das Programm den Beitrag analysiert und eine passende Antwort druckt.

 

ELIZA funktioniert auf Basis einer Zwei-Bänder-Anordnung, das heißt, dass das erste Band aus einem Sprach-Analysator besteht und das zweite aus einem Skript. Da ein Gespräch immer in einem bestimmten Kontext stattfindet, lässt sich dafür auch immer ein „spezifisches Skript“ programmieren, wobei ELIZA eben eine „spezifische Gesprächsrolle“ einnimmt. In diesen Fall die eines Therapeuten, da dessen Hauptaufgabe, so Weizenbaum damals, darin bestünde, die Antworten wie ein Echo zurückzuspielen. 

 

Später, in seinem Werk „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft“ von 1978, schreibt Weizenbaum darüber, wie missverstanden er sich bezüglich der Rezeption von ELIZA fühlt. Er stelle bestürzt fest, wie schnell und intensiv Menschen, die sich mit ELIZA unterhielten, eine emotionale Bindung aufbauten und dem Programm eindeutig menschliche Eigenschaften zuschrieben. 

 

Die Wahrnehmung auf ELIZA war für Weizenbaum ein gutes Beispiel dafür, „welch übertriebene Eigenschaften selbst ein gebildetes Publikum einer Technologie zuschreiben kann oder sogar will“. In seinem Buch vertritt er dabei vordergründig die These, dass der Mensch keine Maschine ist – das heißt, dass auch intelligentes Verhalten nicht nur auf Basis von kognitiven Fähigkeiten simuliert werden kann. Und dass es bestimmte Aufgaben gibt, die nicht der Computer lösen sollte, selbst wenn er irgendwann dazu in der Lage wäre. Die Macht, die der Mensch durch seine Naturwissenschaft und Technik erworben hat, sollte sich nicht in eine Ohnmacht verkehren, mahnt Weizenbaum.

 

Mit offenen Augen in die Zukunft

 

Weizenbaums Biografie zeigt, wie schnell sich die euphorische Beschäftigung mit Künstlicher Intelligenz in eine nüchterne, sogar misstrauische Perspektive wandeln kann. Alexa’s Kasten trägt übrigens eigentlich den Namen „Amazons Echo“. Ein Zufall? Zumindest erinnert es so an Weizenbaums Argumentation darüber, wie simpel die Technologie eigentlich ist. Ob das bedeutet, dass der Konzern vielleicht aktuell noch gar nicht wirklich von den Fähigkeiten seines eigenen Geräts überzeugt ist, bleibt ungewiss. 

 

Laut einer Bitkom-Umfrage geben sieben von zehn Nutzern von smarte Lautsprechern an, vordergründig Streaming-Inhalte von etwa Deezer und Spotify abzuspielen. Dabei sind die smarten Geräte offenbar noch weit davon entfernt, ein unentbehrlicher Teil unseres Lebens zu werden. Doch jeder, der will, kann schon jetzt Alexa, Siri, Cortana und Co. um Rat fragen oder sich Tipps einholen. Der Trend ist gesetzt.

 

Im Übrigen vertrauen Kinder den Geräten schon jetzt ungemein. Eine von Forschern des MIT Media Lab im Jahre 2017 durchgeführte Studie zeigt: Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren nehmen die verschiedene Agenten – etwa Alexa und Google Home – als Personen wahr, indem sie zum Beispiel Alexa beim Spielen entsprechende Fragen nach Lieblingsfarbe und Alter stellten. 

 

Wohin wird die Reise also gehen? In jedem Fall in Richtung einer zunehmenden Interaktion von Mensch und Maschine. Die Zukunftsvision muss dann aber auch technologisch unterfüttert werden – leicht zu bedienen und leistungsstark, eben nicht nur ein Radio 2.0. Die Frage ist dann: Wie smart soll es sein? Smarter als wir selbst und damit schwerer kontrollierbar? Wer soll Therapeut, wer Patient sein? Klar ist: Nur wegen den potenziellen Gefahren auf Technologie zu verzichten, macht wenig Sinn. Doch wie viel blinde Euphorie verträgt die Zukunft?

 

Text: Miriam Rönnau

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